Was mache ich?

Wenn ich neue Leute kennenlerne, dauert es oft nicht lange (und ich vermute, dass es nicht bloss mir so geht), bis mein Gegenüber eine Variante der folgenden Frage stellt: „Und, was machst du so?“

Eine harmlose kleine Einstiegsfrage, die Interesse am Gesprächspartner zeigt. Leider fällt es mir recht schwer, darauf eine zufriedenstellende Antwort zu geben.

Denn obwohl ich es als Aufforderung verstehen könnte, zu erzählen, was meine Interessen sind oder wie ich meinen Alltag verbringe, gehe ich meistens davon aus, dass man wissen will, was ich beruflich mache.

Nun: nichts. Ich arbeite nicht. Ich studiere nicht. Ich bin nicht in einer Ausbildung. Also mache ich nichts. Oder?

Es ist provokant, zu behaupten, dass man nichts macht. Noch empörender, wenn man sich scheinbar auch nicht bemüht, diesem Zustand ein Ende zu setzen. Da ich weder einer Lohnarbeit noch einer Berufsausbildung nachgehe, setze ich mich dem Verdacht aus, ein fauler, asozialer, nutzloser Schmarotzer zu sein, der entweder der Gesellschaft oder seiner Familie auf der Tasche liegt.

Nun ja, ich bin tatsächlich finanziell vollständig von meinen Eltern abhängig. Obwohl dieses Arrangement nicht frei von Spannungen ist, und ich mir nicht vorstelle, dass es unbegrenzt so weitergehen kann, stelle ich jedoch fest, dass ich in dieser Situation eigentlich eine enorme Freiheit geniesse.

Vor allem habe ich freie Verfügung über meine eigene Zeit. Das allein ist so wertvoll, dass ich nur sehr ungern wieder auf diese Souveränität verzichten würde. Ich befürchte, viele wissen überhaupt nicht mehr, wie sich ein Leben ohne Termine, ohne Stundenplan, ohne Deadlines anfühlt. Es ist eine Wonne. Ich möchte alles daran setzen, mehr Menschen den Zugang zu diesem Reich der Freiheit zu öffnen.

Welche Hindernisse diesem Ideal im Weg stehen, ist eine zentrale Frage, die ich in diesem Blog erörtern will. Mehr dazu später.

Ich bin also frei, meine täglichen Aktivitäten selbst zu bestimmen. Was mache ich nun?

Ich lese. Ich recherchiere. Ich lerne.

Seit einem guten halben Jahr vertiefe ich mich wieder als Autodidakt in diverse Themen, die mich interessieren. Manches davon hat bloss persönliche Bedeutung, aber meine Recherchen kreisen zunehmend um zwei Gebiete, welche in meinen Augen auch grosse gesellschaftliche Relevanz haben.

Es handelt sich um Biologie und Ökologie einerseits, Wirtschaft und Arbeit andererseits.

Was meine ich damit? Da der heutige Beitrag schon recht lang geworden ist, möchte ich das nächstes Mal genauer ausführen.

Bis dann!

Weiterführende Literatur zum Thema „Arbeitskritik“:

Patrick Spät: Und, was machst du so?
André Gorz: Kritik der ökonomischen Vernunft
David Frayne: The Refusal of Work

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