#DefundDAPL

Ich habe beschlossen, meine Konten bei der UBS aufzulösen und mein Geld zu einer anderen Bank zu transferieren.

Das ist ein Schritt, den ich schon vor Jahren hätten machen sollen. Anlass dazu gab es genug. Die Verstrickung in die US-Finanzkrise 2008 und die Rettung durch den Bund.(1) Die verantwortungslosen Spekulationen eines Investmentbankers, welche 2011 zu über 2 Milliarden US-Dollar Verlust führten.(2) Die pervers hohen Boni für die Chefetage.(3)

Ausschlaggebend war für mich nun Folgendes: Sowohl UBS als auch Credit Suisse sind zwar nicht direkt, aber über Muttergesellschaften an der Finanzierung der Dakota Access Pipeline (DAPL) beteiligt.(4)

Diese ist ein gewaltiges Bauprojekt, welche durch Fracking gewonnenes Öl aus North Dakota über mehr als 1800 km zu Tanklagern im mittleren Westen der USA leiten soll. Das Vorhaben ist aus mehreren Gründen problematisch. Zum einen verläuft die Pipeline durch Stammesgebiet der Sioux, welche eine Verseuchung ihrer Wasserversorgung durch Öllecks befürchten. Die Proteste vor Ort wurden zum Teil gewaltsam unterdrückt.(5) In den letzten Monaten der Obama-Regierung wurde schliesslich ein Baustopp verhängt, der aber nun von Donald Trump per Dekret aufgehoben wurde. Der Bau soll „im Interesse aller Amerikaner“ abgeschlossen werden.(6)

Zudem hat die Pipeline natürlich auch globale Bedeutung. Das geförderte Öl würde nur noch weiter zum CO2-Ausstoss und damit zum Klimawandel beitragen. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Es gibt wissenschaftliche Schätzungen, wie viel CO2 die Menschheit noch maximal freisetzen darf, um eine katastrophale Erwärmung von über 2 Grad zu verhindern. Und wir kennen die Menge an CO2, die durch die Verbrennung der derzeit bekannten Vorkommen in die Atmosphäre gelangen würde.

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Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. 80% der bekannten fossilen Brennstoffe können nicht mehr verbrannt werden, ohne das globale Klimasystem kritisch zu destabilisieren. Jede weitere Investition in fossile Brennstoffe ist also auch wirtschaftlich Irrsinn. Es gibt ein Wort dafür, wenn der Preis einer Ware auf dem Finanzmarkt in keiner realistischen Proportion zu ihrem wahren Wert mehr steht: Spekulationsblase.(7)

Natürlich bilde ich mir nicht ein, dass die UBS durch meine Akion auch nur eine Sekunde lang ins Zittern gerät. Aber darum geht es nicht. Naomi Klein schreibt in ihrem Buch „This Changes Everything“ (Penguin Books, 2015) über einen anderen konkreten Fall:

The main power of divestment is not that it financially harms Shell and Chevron in the short term but that it erodes the social licence of fossil fuel companies and builds pressure on politicians to introduce across-the-board emission reductions. That pressure, in turn, increases suspicions in the investment community that fossil fuel stocks are overvalued.

Persönliches Divestment ist eine symbolische Aktion, eine Form des Widerstands. Ich kann jeden, der noch Konten bei UBS und CS hat, nur ermutigen, den selben Schritt zu machen.

Defund DAPL
Petition der Gesellschaft für bedrohte Völker an UBS und CS
Grafik zur finanziellen Beteiligung von Grossbanken an DAPL

(1) Der Bund lanciert ein Rettungspaket (NZZ, 27.3.2008)
(2) Händler verzockt zwei Milliarden Dollar (Spiegel Online, 15.9.2011)
(3) Kein Bonusverzicht in der obersten Etage (Tages-Anzeiger, 23.1.2017)
(4) UBS und CS wegen Öl-Pipeline unter Beschuss (TagesWoche, 16.2.2017)
(4) Die Schwarze Schlange erwacht wieder (Greenpeace, 8.2.2017)
(5) Standing Rock protesters hold out against extraordinary police violence (The Guardian, 29.11.2016)
(6) Trump legt umstrittene Pipeline-Projekte neu auf (Zeit Online, 24.1.2017)
(7) Kohlenstoffblase (Wikipedia)

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